Triathlon
Inferno - oder Höhenmeter pur
Eigentlich nennt es sich Triathlon, doch beim Inferno gibt es normalerweise 4 Disziplinen zu bewältigen: 3,1 km Schwimmen, 97 km Radfahren, 30 km Mountainbike, 25 km Laufen.
Nicht so am 20.08.2011, denn obwohl bestes Wetter vorhergesagt war (Wetterfrosch bei der Wettkampfbesprechung: in der Nacht kann es noch einen kleinen Schauer geben, aber das muss so sein), gab es morgens früh um 6 Uhr mehr als ein laues Lüftchen landeinwärts. Es hatte zwar schon 20 °C, aber der Sturm landeinwärts war so heftig, dass die Bojen nicht gesetzt werden konnten.
Aber von Anfang an:
Schon das Einchecken in die 3 verschiedenen Wechselzonen am Vortag war eine Herausforderung. Nach einer sehr kurzen (2 h Schlaf), weil etwas lauten Nacht, sollte um 6:30 der Schwimmstart sein. Aber da das Schwimmen abgesagt wurde, wurden wir auf ein Schiff verfrachtet, um mit demselben nach Oberhofen zu unserem Rennrad zu kommen. Der Wechsel war gemütlich, der Massenstart mit 330 Leuten leider nicht (mit meiner Startnummer musste ich mich ziemlich weit hinten einreihen). Nach ein paar Hundert Metern leicht fallend auf der Hauptstrasse, nahm das Feld langsam Fahrt auf. Dann ging es links in eine kleinere Nebenstrasse mit einem 4 km langen Anstieg. Perfekt, dachte ich, da zieht sich das Feld gleich mal auseinander und ich kann mich nach vorne orientieren. Den Plan hatten leider noch andere und als die ersten in den Anstieg fuhren kam es zum Ziehharmonikaeffekt und wir mussten schier anhalten (schräg vor mir ist einer nicht aus den Pedalen gekommen und umgekippt). Ich konnte anfangs zwar nicht mein Tempo fahren, aber nach 2-3 km hatte sich das Feld gelichtet. Leider waren die Straßen im Wald teilweise noch feucht, so dass ich bei den Abfahrten lieber langsam gemacht habe, ansonsten lief es richtig gut und hat Spass gemacht. Es ist eine sehr schöne Radstrecke, allerdings mit 2145 Höhenmeter.
In Grindelwald kam die nächste Wechselzone, in der ich mein Rennrad gegen das Mountainbike getauscht habe. Aus der Wechselzone raus geht es über eine kleine Holzbrücke, dann links auf einem Singletrail ein paar Hundert Meter durch den Wald. Da war es vom nächtlichen Schauer so matschig, dass ich fast in diesem stecken geblieben wäre (obwohl es flach war). Mit Mühe rettete ich mich zur Lichtung und durfte gleich einen Fluss mit 3 Armen durchqueren: 2 mal durchs Wasser und einmal über ein Holzbrett. Nach dem ersten Kilometer war ich mit meinem Bike schon von oben bis unten verspritzt. Der folgende Anstieg war unspektakulär: zunächst geteert, dann steinig aber recht steil. Wie bei der Wettkampfbesprechung schon angekündigt, kam das Schmankerl noch kurz vor der kleinen Scheidegg. Da dort angeblich fast alle schieben, weil es zum fahren zu steil wäre, habe ich mir das auch vorgenommen. Einmal den Puls ein bisschen runter kommen lassen und eine aufrechte Haltung annehmen wäre doch sicher angenehm. Bei der Steigung ging der Puls jedoch nicht wirklich runter, wenn man das Rad kaum hochgeschoben bekommt. Auf der Abfahrt verlor ich noch ein paar Plätze, aber ich kam sturzfrei runter! Die letzten 4 km ging es fast flach (nach 1180 Höhenmetern) auf der Straße nach Lauterbrunnen – und ich bekam Seitenstechen!
Ab Lauterbrunnen ging es dann per Pedes die 4 km wieder flach zurück, bis die nächsten 2175 Höhenmeter aufs Schilthorn auf uns warteten. Dass die erste Stehpause schon auf dem ersten Laufkilometer kommt, war nicht geplant. Zum Glück ging das Seitenstechen dann aber wieder weg. Der Berglauf artete zwar teilweise in eine Wanderung aus, aber der Puls war ständig am Anschlag. Irgendwie geht es aber doch (meine Kilometerzeiten veröffentliche ich hier jetzt besser nicht) und der Zieleinlauf auf dem Schilthorn auf 2960 m Höhe ist spektakulär.
Der Wettkampf mit 5500 Höhenmetern ist schon der Hammer. Bei dem Traumwetter ist das Panorama sensationell. Die Organisation und Verpflegung fast perfekt. Fast deshalb, weil der Bus für den Transfer zurück zum Schwimmstart in Thun (wo einige ihr Auto stehen hatten) fehlte. Der hätte um 20:45 Uhr fahren sollen. Nach langem Hin und Her und ein paar Telefonaten wurden Ersatztaxis organisiert, die um 23:00 Uhr in Lauterbrunen waren. Um 0:00 Uhr konnte ich dann endlich die 2,5-stündige Rückfahrt antreten...